Die Wiedervereinigung – Christian X. in Christiansfeld

Eingliederung von Sønderjylland in Dänemark 1920

Foto: Museum Sønderjylland

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 musste Dänemark die drei Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg an Preußen (ab 1871 Deutsches Reich) und Österreich abtreten. Sønderjylland gehört daher künftig zu Deutschland und die deutsch-dänische Grenze verlief südlich von Kolding.

Die große Mehrheit der Bevölkerung in nördlichen Teil von Sønderjylland empfand sich aber als dänisch. Das bedeutet, dass der Wunsch nach einer Wiedervereinigung mit dem kleineren Teil von Sønderjylland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Dänemark weit verbreitet war. Doch erst nach der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg wurde die Wiedervereinigung zu einer realistischen politischen Option.

H.P. Hansen, der politische Führer der Dänisch gesinnten Nordschleswiger und Abgeordneter im Berliner Reichstag, gab am 17. November 1918 bekannt, dass der Nordschleswigsche Wählerverband eine Lösung der Grenzfrage durch eine Volksabstimmung verlange und die Aussicht bestünde, dass Sønderjylland mit dem restlichen Dänemark wiedervereinigt würde. Dies rief er vom Balkon des “Folkehjem” in Aabenraa aus.

Die Grenzfrage wurde durch eine Volksabstimmung gelöst. Sie erfolgte 1920 durch zwei Abstimmungen. Eine wurde in der so genannten Zone 1 („Nordschleswig“) und eine in der Zone 2 („Mittelschleswig“ zwischen Schleswig und Flensburg) durchgeführt. Die Bevölkerung in den beiden Zonen sollte darüber abstimmen, ob sie zu Dänemark oder zu Deutschland gehören wollte.

Zeitleiste

10. Februar 1920

Abstimmung in der 1. Zone (Nordschleswig). 75 % stimmen dafür, dass diese Region zu Dänemark gehören soll.

14. März 1920

Abstimmung in der 2. Zone (Mittelschleswig). 80 % stimmen dafür, dass diese Region ein Teil von Deutschland bleiben soll.

Die Abstimmung in den beiden Zonen bestimmt die Lage der Landesgrenze zwischen Dänemark und Deutschland.

5. Mai 1920

Das dänische Militär übernimmt die 1. Zone und am Tag darauf wird Viggo Rothe Haarløv als Zivilverwalter für die 1. Zone bestimmt.

15. Juni 1920

Dänemark erhält Sønderjylland übertragen, doch die Alliierten behalten vorläufig die Souveränität über die Region. Diese erhält Dänemark erst am 5. Juli mit rückwirkender Kraft zum 15. Juni.

9. Juli 1920

Christian X. unterzeichnet das „Gesetz über die Einverleibung der nordschleswigschen Landesteile ins Königreich“ und Sønderjylland ist jetzt ein Teil von Dänemark.

10. Juli 1920

Christian X. und die Sohn Knud und Frederik reiten symbolisch über die alte Grenze nördlich von Christiansfeld. Anschließend wird die königliche Familie mit einem Festgottesdienst in Haderslev und einem Besuch im Volksheim in Aabenraa empfangen.

11. Juli 1920

Das zentrale Wiedervereinigungsfest findet auf der Dybbøl Banke statt. Neben der Königsfamilie nehmen zwischen 50.000 und 100.000 Menschen an dem Fest teil.

12. Juli 1920

Christian X. wird auf dem Marktplatz in Tønder vom Deutsch gesinnten Bürgermeister der Stadt empfangen. Am gleichen Tag trifft der König in Krusaa Dänisch gesinnte Bürger aus Flensburg.