Tilskuere til HP Hanssens tale på Folkehjem

Treffpunkt der Dänischgesinnten in Aabenraa

Foto: Museum Sønderjylland

Das Versammlungshaus Folkehjem spielte eine große Rolle für das Dänentum vor der Vereinigung Nordschleswigs mit Dänemark.

Nicht nur Menschen können eine große Rolle in einer Volksbewegung spielen – ebenso können Gebäude einen wichtigen Sammelpunkt darstellen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Versammlungshaus Folkehjem (zu Deutsch: Volksheim), das im nördlichen Teil von Aabenraa liegt.

Das Folkehjem spielte in den Jahrzehnten vor der Vereinigung Nordschleswigs mit Dänemark – von den Dänen „Genforeningen“ (Wiedervereinigung) genannt – eine bedeutende Rolle als Treffpunkt der Dänischgesinnten im heutigen Südjütland.

Das Folkehjem ist untrennbar verbunden mit dem dänischen Sprachverein (Sprogforeningen), der 1880 mit dem Zweck gegründet wurde, die dänische Sprache und Kultur in Nordschleswig zu bewahren. Der Sprachverein wandte viele Kräfte darauf, den dänischen Bevölkerungsteil in dieser Region mit dänischsprachigen Büchern und Liederbüchern zu versorgen.

Der Sprachverein hatte daneben eine Reihe weiterer Aktivitäten. Um diese an einem Ort zusammenzuführen, kaufte der Verein die Vergnügungsstätte Schweizerhalle und baute sie zu einer Kombination aus Bibliothek und Versammlungshaus um, die den Namen Folkehjem bekam.

Es wurde 1901 eröffnet und wurde auch als Versammlungshaus von Südjütland (Sønderjyllands Forsamlingshus) bekannt. Über die Jahre fanden hier unzählige Treffen der vielen Dänischgesinnten in der Region statt.

Das berühmteste Treffen fand im November 1918 statt, als mehr als 3.000 Südjütländer zusammenkamen, um eine große Rede des Redakteurs H. P. Hanssen zu hören, die Geschichte schreiben sollte. Er konnte der jubelnden Zuhörerschaft verkünden, dass eine Volksabstimmung über die künftige Zugehörigkeit des Landesteils auf dem Weg war.

Auch nach der Vereinigung Nordschleswigs mit Dänemark 1920 spielte das Folkehjem weiter eine wichtige Rolle, unter anderem im Kampf der dänischen Vereine gegen den Nazismus in den 1930er-Jahren und während der deutschen Besatzung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verlor das Folkehjem nach und nach seine Bedeutung. Heute wird das Gebäude in erster Linie für Konferenzen, Sitzungen und private Feste genutzt.

Doch das Gebäude ähnelt weitgehend der damaligen Gestalt und die Besucher können immer noch die beiden berühmten Säle des Folkehjem besichtigen – den Königssaal und den Bildersaal. Im letzteren sind knapp 60 Porträts bedeutender Persönlichkeiten aus dem Kampf um den Anschluss an Dänemark zu sehen – daher der Name Bildersaal.

Das Folkehjem ist ein lebendiges Denkmal für die Bestrebungen der Dänischgesinnten in Südjütland/Nordschleswig durch die Zeiten.